Ein B2B-Text hat eine Eigenheit, die ihn von jedem anderen Werbetext unterscheidet: Er wird von mehreren Menschen gelesen, die Unterschiedliches wollen, und einer davon muss ihn anschließend intern weitererzählen können. Wer das nicht mitdenkt, schreibt an der Sache vorbei – auch mit guten Formulierungen. Auf dieser Seite steht, was einen B2B-Text konkret ausmacht, für welche vier Leser Sie gleichzeitig schreiben, wie aus einem Merkmal ein belegter Nutzen wird – mit Beispielen im Wortlaut, jeweils vorher und nachher – und was für die einzelnen Textsorten gilt: Website, Landingpage, Produkttext, Angebotstext und Nachfass-E-Mail. Dazu die Frage, wie viel Fachsprache richtig ist, was ein B2B-Call-to-Action leisten muss und woran man KI-geschriebene Texte erkennt.
Inhaltsverzeichnis
- Was einen B2B-Text von anderen Texten unterscheidet
- Die vier Leser, für die Sie gleichzeitig schreiben
- Die Grundregel: vom Merkmal über den Nutzen zum Beleg
- Woher das Material kommt: zuhören, bevor man schreibt
- Die Referenzgeschichte: Storytelling, das im B2B trägt
- Die Textsorten im B2B und was für jede gilt
- Verkaufstexte schreiben: was ein Text im B2B leisten kann – und was nicht
- Die häufigsten Fehler in B2B-Texten
- So gehen Sie vor: von der leeren Seite zum fertigen Text
- Fachsprache: wie viel Jargon ist richtig
- Länge, Aufbau und Lesbarkeit
- Gestaltung: der Text wirkt, bevor er gelesen wird
- Der Call-to-Action im B2B ist ein anderer
- KI-geschriebene B2B-Texte: was auffällt
- Damit der Text auch gefunden wird
- Die Prüfliste vor dem Veröffentlichen
- Häufige Fragen zu B2B-Texten
- Was sind B2B-Texte?
- Wie schreibt man gute B2B-Texte?
- Wie lang sollte ein B2B-Text sein?
- Darf man in B2B-Texten Fachbegriffe verwenden?
- Was unterscheidet einen Produkttext im B2B von einem im Onlinehandel?
- Wie sieht ein guter Call-to-Action im B2B aus?
- Kann man B2B-Texte von einer KI schreiben lassen?
- Wie schreibt man Produkttexte für erklärungsbedürftige Produkte?
- Was ist der Unterschied zwischen Business-Texten und Werbetexten?
- Woran erkenne ich, dass mein Text zu allgemein ist?
- Zum Mitnehmen
Was einen B2B-Text von anderen Texten unterscheidet
Die meisten Ratgeber zum Texten stammen aus dem Konsumgeschäft. Dort gelten Regeln, die im Geschäft mit Unternehmen nicht nur wirkungslos sind, sondern schaden. Vier Unterschiede sind entscheidend.
Es liest nicht einer, es lesen mehrere
Ein Konsumtext hat einen Leser, der selbst entscheidet. Ein B2B-Text wird weitergereicht: Die Fachabteilung findet ihn, der Einkauf prüft ihn, die Geschäftsführung überfliegt ihn, die IT beurteilt einen Teilaspekt. Jeder liest mit einer anderen Frage im Kopf.
Daraus folgt eine Regel, die kaum jemand befolgt: Ein B2B-Text muss in Abschnitten geschrieben sein, die man einzeln herausschneiden und weitergeben kann. Der Text ist kein Spannungsbogen, er ist ein Setzkasten.
Der Weg ist lang, der Text steht am Anfang
Im Konsumgeschäft soll der Text sofort zum Kauf führen. Im B2B liegen zwischen dem ersten Lesen und der Unterschrift oft Monate. Ein Text, der auf sofortiges Handeln drängt, wirkt deshalb unpassend – wie jemand, der beim ersten Treffen einen Vertrag zückt.
Die Aufgabe ist eine andere: Der Text soll einen nächsten Schritt auslösen, nicht den letzten. Und er soll wiederauffindbar sein, wenn der Leser in drei Monaten zurückkommt.
Die Entscheidung muss begründet werden
Wer privat kauft, muss sich vor niemandem rechtfertigen. Wer für ein Unternehmen entscheidet, schon. Deshalb sucht Ihr Leser nicht nur nach Gründen, die ihn überzeugen, sondern nach Gründen, die er weitergeben kann.
Das verändert, was ein guter Satz ist. „Das fühlt sich richtig an“ hilft niemandem in einer Vorlage für die Geschäftsführung. „Die Umstellung amortisiert sich nach elf Monaten, gerechnet mit den Zahlen aus Ihrer Ausschreibung“ schon.
Fachlichkeit ist keine Kür
Im Konsumtext darf man vereinfachen. Im B2B liest ein Fachmann mit, und der erkennt eine Ungenauigkeit sofort. Ein einziger falsch verwendeter Fachbegriff kostet mehr Glaubwürdigkeit, als zehn schöne Formulierungen aufbauen.
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Die vier Leser, für die Sie gleichzeitig schreiben
Wer im B2B schreibt, schreibt nie an eine Person. Er schreibt an ein Gremium, das nie zusammen im Raum sitzt. Die vier Rollen tauchen in fast jedem Beschaffungsvorgang auf – manchmal in einer Person vereint, meistens verteilt.
Der Anwender
Er muss mit der Sache täglich arbeiten. Seine Frage: Wird mein Arbeitsalltag besser oder komplizierter? Er reagiert auf konkrete Abläufe, nicht auf Strategie. Für ihn schreiben Sie den Absatz, der beschreibt, wie ein Tag mit Ihrer Lösung aussieht.
Der Fachprüfer
Er beurteilt, ob es technisch funktioniert. Seine Frage: Passt das zu dem, was wir haben? Er sucht Schnittstellen, Normen, Grenzwerte, Voraussetzungen. Für ihn schreiben Sie den Abschnitt, den Sie am liebsten weglassen würden, weil er trocken ist – und der Ihnen die meiste Glaubwürdigkeit bringt.
Der Wirtschaftliche
Er verantwortet das Geld. Seine Frage: Was kostet es, was bringt es, und wann? Für ihn schreiben Sie die Zeilen mit Zahlen, Annahmen und Zeiträumen – ausdrücklich als Rechnung gekennzeichnet, mit den Annahmen offen daneben.
Der Risikoträger
Er trägt die Folgen, wenn es schiefgeht. Seine Frage: Was passiert, wenn das nicht klappt? Für ihn schreiben Sie über Referenzen, Vertragslaufzeiten, Ausstiegsmöglichkeiten und darüber, was Ihre Lösung nicht kann.
Der letzte Punkt ist der wirkungsvollste und wird am seltensten gemacht. Ein Text, der eine Grenze offen benennt, wirkt auf den Risikoträger beruhigend – weil er zeigt, dass jemand die Sache zu Ende gedacht hat.
Die Grundregel: vom Merkmal über den Nutzen zum Beleg
Die häufigste Schwäche in B2B-Texten ist kein schlechter Stil. Es ist die Merkmalsliste. Sie steht auf jeder zweiten Website, sie ist sachlich richtig, und sie bewegt niemanden – weil der Leser die Übersetzungsarbeit selbst leisten müsste.
Die Kette hat drei Glieder, und die meisten Texte hören nach dem ersten auf:
- Merkmal – was die Sache ist. „Automatische Zustandsüberwachung.“
- Nutzen – was das für den Leser bedeutet. „Sie erfahren von einem Lagerschaden, bevor die Anlage steht.“
- Beleg – warum man das glauben soll. „Bei einem Zulieferer im Sauerland hat das im vergangenen Jahr zwei ungeplante Stillstände verhindert; die Zahlen stehen in der Referenz.“
Sechs Beispiele, vorher und nachher
- Vorher: „Wir bieten individuelle Lösungen.“
Nachher: „Wir passen die Auswertung an Ihre Schichtzeiten an – bei Dreischicht sehen Sie die Kennzahlen je Schicht statt je Tag.“ - Vorher: „Langjährige Erfahrung im Maschinenbau.“
Nachher: „Seit 2011 im Sondermaschinenbau; die letzten vierzig Projekte lagen zwischen 80.000 und 400.000 Euro Auftragswert.“ - Vorher: „Hohe Verfügbarkeit.“
Nachher: „99,5 Prozent Verfügbarkeit im Jahresmittel, vertraglich zugesichert, gemessen ohne die vereinbarten Wartungsfenster.“ - Vorher: „Unser Service überzeugt.“
Nachher: „Rückruf innerhalb von vier Stunden an Werktagen; wenn wir das nicht halten, entfällt die Servicepauschale des Monats.“ - Vorher: „Effiziente Prozesse durch Digitalisierung.“
Nachher: „Die Auftragsdaten wandern einmal ins System statt dreimal – das spart der Arbeitsvorbereitung nach unserer Erfahrung rund eine Stunde pro Tag.“ - Vorher: „Wir sind Ihr zuverlässiger Partner.“
Nachher: „Ihr Ansprechpartner wechselt nicht. Sie haben einen Namen, eine Durchwahl und eine Vertretung, die den Vorgang kennt.“
Fällt das Muster auf? Die Nachher-Fassung ist jedes Mal angreifbar. Sie nennt eine Zahl, eine Bedingung, einen Zeitraum – etwas, woran man das Versprechen messen kann. Genau das macht sie glaubwürdig. Ein Versprechen, das niemand widerlegen kann, überzeugt auch niemanden.
Der Test für jeden Satz
Nehmen Sie einen beliebigen Satz aus Ihrem Text und setzen Sie davor: „Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern …“ Ergibt der Satz dann noch Sinn? Wenn jeder Wettbewerber dasselbe behaupten würde, ist der Satz Füllmaterial. „Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern legen wir Wert auf Qualität“ entlarvt sich sofort.
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Woher das Material kommt: zuhören, bevor man schreibt
Der Unterschied zwischen einem austauschbaren und einem wirksamen B2B-Text entsteht nicht am Schreibtisch. Er entsteht vorher, bei der Beschaffung des Materials. Wer sich hinsetzt und überlegt, was den Kunden wohl bewegt, schreibt Vermutungen auf. Wer Sätze verwendet, die Kunden tatsächlich gesagt haben, schreibt etwas, das kein Wettbewerber hat.
Die drei Quellen, die jedes Unternehmen schon besitzt
- Verkaufsgespräche. Die ergiebigste Quelle überhaupt, und die am seltensten genutzte. Wer im Vertrieb arbeitet, hört jede Woche, wie Kunden ihr Problem formulieren – in ihren Worten, nicht in Ihren. Diese Formulierungen gehören in den Text, möglichst wörtlich.
- Der Support und die Auftragsabwicklung. Dort landen die Fragen, die nach dem Kauf entstehen. Jede häufige Rückfrage ist ein Hinweis darauf, dass irgendein Text vorher etwas nicht erklärt hat.
- Verlorene Angebote. Die unangenehmste Quelle und die lehrreichste. Warum hat der Kunde anders entschieden? Die Antwort enthält fast immer ein Argument, das im Text hätte stehen müssen.
Die Notizmethode, die den Unterschied macht
Legen Sie eine einzige Datei an – eine reicht – und schreiben Sie nach jedem Kundengespräch einen Satz hinein: den, den der Kunde am deutlichsten gesagt hat. Nicht paraphrasiert, sondern wörtlich.
Nach drei Monaten haben Sie vierzig Sätze in Kundensprache. Das ist wertvolleres Textmaterial als jedes Briefing, jede Persona-Vorlage und jeder Wettbewerbsvergleich – weil es echt ist und weil niemand sonst es hat.
Ein Beispiel für den Unterschied. Aus dem Marketing-Briefing: „Zielgruppe sind mittelständische Fertigungsunternehmen mit Effizienzbedarf in der Produktionsplanung.“ Aus dem Gesprächsprotokoll: „Ich verbringe jeden Montagvormittag damit, drei Excel-Listen zusammenzuführen, die eigentlich dasselbe enthalten sollten.“ Der zweite Satz ist ein Text-Anfang. Der erste ist eine Kategorie.
Die Frage, mit der man das Material bekommt
Wenn Sie Material gezielt sammeln wollen, funktioniert eine Frage besser als alle anderen – gestellt an einen Kunden, der schon gekauft hat:
„Wenn Sie einem Kollegen in einem anderen Unternehmen erklären müssten, warum Sie sich damals für uns entschieden haben – was würden Sie sagen?“
Die Antwort ist fast immer kürzer, konkreter und überzeugender als alles, was die eigene Marketingabteilung formuliert hätte. Und sie ist verwendbar, weil sie schon in der Sprache des nächsten Kunden geschrieben ist.
Die Referenzgeschichte: Storytelling, das im B2B trägt
Storytelling hat im B2B einen schlechten Ruf, und der ist verdient. Gemeint ist meistens ein rührender Einstieg über die Firmengründung im Hinterhof – und Einkäufer haben dafür keine Zeit.
Es gibt aber eine Geschichte, die im B2B verlässlich funktioniert, und das ist der Fallbericht. Nicht als Hochglanz-Referenz, sondern als nachvollziehbare Abfolge.
Der Aufbau in fünf Teilen
- Ausgangslage mit Zahl. Wer, wie groß, welche Branche, welches messbare Problem. „Ein Zulieferer für Nutzfahrzeugteile, 180 Mitarbeiter, Rüstzeiten von durchschnittlich 90 Minuten.“
- Der Auslöser. Warum wurde es gerade jetzt dringend? Ohne diesen Teil klingt jede Fallgeschichte nach Wunschkonzert. „Ein Großkunde kündigte an, künftig in kleineren Losen zu bestellen.“
- Was versucht wurde und nicht half. Der Teil, den fast alle weglassen – und der die Geschichte glaubwürdig macht. „Zuerst wurde versucht, die Reihenfolge zu optimieren. Das brachte zehn Minuten.“
- Was gemacht wurde. Konkret genug, dass ein Fachmann es beurteilen kann.
- Das Ergebnis mit Einschränkung. „Rüstzeit heute 35 Minuten im Schnitt. Bei zwei der sieben Maschinen hat sich nichts verändert, dort war die Ursache eine andere.“
Der letzte Halbsatz ist das Wirksamste am ganzen Text. Eine Erfolgsgeschichte ohne Einschränkung liest sich wie Werbung. Eine mit Einschränkung liest sich wie ein Bericht – und Berichte glaubt man.
Emotion im B2B: nicht Rührung, sondern Risiko
Dass auch im Geschäft Emotionen mitentscheiden, ist inzwischen Allgemeinplatz. Nur wird daraus meist der falsche Schluss gezogen – nämlich, dass B2B-Texte wärmer und persönlicher werden müssten.
Die Emotion, die im B2B tatsächlich wirkt, ist eine andere: die Sorge, eine Entscheidung verantworten zu müssen, die schiefgehen kann. Wer für ein Unternehmen einkauft, riskiert im Zweifel seinen Ruf im Haus. Diese Sorge spricht man nicht mit Wärme an, sondern mit Entlastung: mit Referenzen aus derselben Branche, mit einem überschaubaren ersten Schritt, mit klar benannten Grenzen und mit der Antwort auf die Frage, was passiert, wenn es nicht klappt.
Ein Text, der diese Frage offen beantwortet, wirkt stärker als jede Begeisterungsformel. „Wenn sich nach dem Pilotmonat zeigt, dass es nicht passt, endet die Zusammenarbeit ohne weitere Kosten“ ist ein emotionaler Satz – auch wenn er nüchtern klingt.
Die Textsorten im B2B und was für jede gilt
„B2B-Texte“ ist ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Aufgaben. Was auf der Website richtig ist, wäre im Angebot falsch. Fünf Sorten decken den Alltag ab.
Website-Texte: die Startseite und die Leistungsseiten
Der häufigste Fehler auf B2B-Startseiten ist, dass sie über das Unternehmen sprechen statt über dessen Kunden. „Seit 1974 stehen wir für Qualität“ beantwortet keine Frage, die jemand hatte.
Die Startseite muss in den ersten zwei Sätzen klären: Wer sind Sie, für wen, und wogegen hilft das? Ein brauchbares Muster: „Wir bauen Prüfstände für Elektromotoren – für Hersteller, die Kleinserien fahren und dafür keine Standardanlage bekommen.“
Auf den Leistungsseiten gilt die Merkmal-Nutzen-Beleg-Kette aus dem vorigen Abschnitt, und zwar je Leistung einmal. Eine Leistungsseite ohne einen einzigen konkreten Fall ist eine Broschüre, keine Verkaufsseite.
Landingpage-Texte: eine Seite, ein Ziel
Eine Landingpage im B2B hat genau eine Aufgabe, meistens einen Download, eine Anmeldung oder ein Erstgespräch. Alles, was nicht auf dieses Ziel einzahlt, gehört weg – auch die Menüleiste, auch der Link zur Firmengeschichte.
Der Aufbau, der sich bewährt hat: Problem in einem Satz, den der Leser als seinen erkennt → was er bekommt, konkret benannt → warum ausgerechnet von Ihnen → was passiert, wenn er klickt → der Klick. Der vierte Punkt wird fast immer vergessen und ist im B2B der wichtigste: „Sie bekommen die Unterlage sofort per E-Mail. Wir rufen nicht an, außer Sie wünschen es.“
Produkttexte schreiben: erklären, ohne zu langweilen
Produkttexte zu schreiben ist im B2B schwierig, weil zwei Leser mit gegensätzlichen Bedürfnissen dasselbe lesen: einer, der die Technik beurteilt, und einer, der wissen will, wofür man das braucht.
Die Lösung ist eine Zweiteilung, keine Mischung. Oben ein Absatz in Alltagssprache, der den Einsatzzweck beschreibt. Darunter die technischen Angaben als Tabelle oder Liste, vollständig und ohne Werbesprache. Wer beides vermischt, ärgert beide: Der Techniker muss sich durch Adjektive wühlen, der Kaufmann versteht nichts.
Und eine Kleinigkeit mit großer Wirkung: Schreiben Sie dazu, wofür das Produkt nicht gedacht ist. „Für Dauerbetrieb über 60 °C ist die Baureihe nicht ausgelegt – dafür gibt es die S-Variante.“ Das spart Rückfragen, verhindert Fehlkäufe und wirkt kompetenter als jedes Superlativ.
Angebotstexte im B2B: der Teil, den alle überspringen
Im Angebot liest fast niemand die Fließtexte – und trotzdem entscheiden sie mit, weil sie beim Vergleich mehrerer Angebote den Unterschied machen.
Drei Stellen lohnen die Mühe: die Ausgangslage (zeigen Sie mit den Worten des Kunden, dass Sie verstanden haben, worum es geht – wörtlich aus dem Gespräch übernommen), die Abgrenzung (was ist enthalten, was ausdrücklich nicht) und der nächste Schritt mit Datum. Alles andere darf Standardtext sein.
Ein Satz, der in der Ausgangslage fast immer wirkt: „Sie sagten im Gespräch am 14. März, dass die Abstimmung zwischen Konstruktion und Fertigung Sie derzeit die meiste Zeit kostet.“ Der Kunde erkennt sich – und weiß, dass zugehört wurde.
Follow-up-Texte im B2B: die Nachfass-E-Mail
Die kürzeste Textsorte und die mit dem schlechtesten Ruf. Der übliche Fehler ist die Leerformel: „Ich wollte mich mal erkundigen, ob Sie schon dazu gekommen sind.“
Eine Nachfass-Mail braucht drei Dinge in dieser Reihenfolge: einen Anlass, der nicht Ihr Kalender ist; eine Information, die der Empfänger noch nicht hatte; eine Frage, die konkret beantwortbar ist. Ein Beispiel:
„Guten Tag Herr Berger, bei einem anderen Kunden ist gerade die Frage aufgekommen, wie sich die Umstellung auf den laufenden Betrieb auswirkt – ich habe die Antwort in zwei Absätzen zusammengeschrieben und hänge sie an. Passt es Ihnen, wenn ich mich in der Woche nach Ostern melde, oder ist es bei Ihnen früher spruchreif?“
Ausführlicher steht das auf der Seite zum Nachfassen.
Verkaufstexte schreiben: was ein Text im B2B leisten kann – und was nicht
„Verkaufsstarke Texte schreiben“ ist ein Versprechen, das im Konsumgeschäft eingelöst werden kann: Dort führt ein guter Text tatsächlich direkt zum Kauf. Im B2B ist das Versprechen unehrlich, und wer danach schreibt, produziert Texte, die zu laut sind für ihre Leser.
Was ein B2B-Verkaufstext realistisch bewirkt
Er verkauft das Produkt nicht. Er verkauft den nächsten Schritt – ein Gespräch, eine Unterlage, einen Testlauf, eine interne Weiterleitung. Diese Aufgabe klingt kleiner, ist aber schwerer, weil der Leser bei jedem Schritt aussteigen kann.
Daraus folgt eine handfeste Konsequenz für die Tonlage. Verkaufstexte aus dem Copywriting arbeiten mit Druck, Verknappung und Superlativen. Im B2B erzeugt jedes dieser Mittel Misstrauen, weil der Leser weiß, dass er in vier Wochen wieder da sein wird und Sie dann immer noch liefern müssen.
Die drei Hebel, die stattdessen wirken
- Genauigkeit statt Lautstärke. „Zwölf Prozent weniger Ausschuss bei Wandstärken unter zwei Millimetern“ wirkt stärker als „revolutionäre Qualitätssteigerung“ – weil es überprüfbar ist.
- Der Beweis, dass Sie den Fall kennen. Ein Satz, der die Situation des Lesers so genau beschreibt, dass er sich erkannt fühlt, ersetzt drei Absätze Nutzenargumentation.
- Die freiwillige Grenze. Wer sagt, wofür er nicht der Richtige ist, wird beim Rest geglaubt. Das ist der einzige Weg, in einem Markt voller Superlative glaubwürdig zu bleiben.
Wer neue Kunden gewinnen will, indem er schreibt, erreicht das also nicht über verkäuferische Sprache, sondern über nachprüfbare Substanz. Der Text, der am Ende die meisten Anfragen bringt, ist meistens der nüchternste.
Woran sich gute Verkaufstexte im B2B messen lassen
Es gibt eine Kennzahl, die aussagekräftiger ist als Seitenaufrufe und Verweildauer: Wie viele der Anfragen, die über diesen Text kommen, sind qualifiziert? Ein Text, der viele unpassende Anfragen erzeugt, ist kein guter Verkaufstext – er ist ein teurer, weil jede unpassende Anfrage Bearbeitungszeit kostet.
Deshalb ist der Abschnitt über die eigenen Grenzen kein Zeichen von Bescheidenheit, sondern ein Filter. Wer schreibt „Unter zwanzig Arbeitsplätzen rechnet sich das nicht“, verliert die kleinen Anfragen – und gewinnt Zeit für die passenden. Gute Verkaufstexte zu schreiben heißt im B2B fast immer, bewusst Leser wegzuschicken.
Die zweite brauchbare Größe ist die Weiterleitungsrate: Wie oft wird der Text intern geteilt? Sie lässt sich nicht direkt messen, aber sie zeigt sich daran, dass Anfragen von Menschen kommen, die auf der Seite nie waren – der Kollege hat den Link geschickt. Das ist der stärkste Hinweis darauf, dass ein B2B-Text funktioniert.
Die häufigsten Fehler in B2B-Texten
Aus der Durchsicht vieler Unternehmenstexte wiederholen sich dieselben acht Muster. Die ersten drei kosten am meisten.
- Der Text spricht über das Unternehmen statt über den Kunden. Zähltest: Wie oft steht „wir“ im ersten Absatz, wie oft „Sie“? Steht „wir“ vorn, beginnt der Text an der falschen Stelle.
- Merkmale ohne Übersetzung. Die Aufzählung technischer Eigenschaften, aus der der Leser den Nutzen selbst ableiten soll. Er tut es nicht.
- Behauptungen ohne Beleg. Qualität, Zuverlässigkeit, Partnerschaft, Innovation – vier Wörter, die jeder Wettbewerber ebenfalls verwendet und die deshalb nichts unterscheiden.
- Ein Text für alle Leser. Der Versuch, Techniker und Kaufmann im selben Absatz zu bedienen, führt dazu, dass beide nichts finden.
- Der versteckte Kern. Die wichtigste Aussage steht im vierten Absatz, weil der Autor sie sich erarbeitet hat und den Leser denselben Weg gehen lässt.
- Kein Verzicht. Kein Satz darüber, was die Leistung nicht abdeckt – was jeden anderen Satz weniger glaubwürdig macht.
- Der Aufruf ins Leere. „Kontaktieren Sie uns“ ohne Angabe, was danach passiert, wie lange es dauert und was es kostet.
- Die veraltete Seite. Jahreszahlen, Ansprechpartner und Referenzen, die nicht mehr stimmen. Nichts beschädigt Vertrauen so beiläufig wie ein Text, der offensichtlich seit Jahren niemanden interessiert hat.
So gehen Sie vor: von der leeren Seite zum fertigen Text
Textarbeit scheitert selten am Formulieren. Sie scheitert daran, dass zwei Arbeitsschritte gleichzeitig versucht werden – sammeln und formulieren. Die folgende Reihenfolge trennt sie.
Schritt 1: Material sammeln, ohne zu schreiben
Tragen Sie zusammen, was Sie haben: Kundensätze aus Ihrer Notizdatei, Zahlen aus abgeschlossenen Projekten, die drei häufigsten Rückfragen, eine Referenz mit Erlaubnis zur Nennung. Zwanzig Minuten, Stichworte, keine ganzen Sätze. Wer hier nichts findet, hat kein Textproblem, sondern ein Materialproblem – und sollte zuerst den Abschnitt über das Zuhören lesen.
Schritt 2: Die eine Frage festlegen
Schreiben Sie in einem Satz auf, welche Frage dieser Text beantwortet – aus der Sicht des Lesers formuliert, mit seinen Worten. „Darstellung unseres Leistungsportfolios“ ist keine solche Frage. „Wie bekomme ich meine Rüstzeiten runter, ohne eine neue Maschine zu kaufen?“ schon.
Passt die Frage nicht in einen Satz, brauchen Sie zwei Texte.
Schritt 3: Die Antwort zuerst
Beantworten Sie die Frage in drei Sätzen, bevor Sie irgendetwas anderes schreiben. Diese drei Sätze werden der erste Absatz. Alles Weitere ist Begründung, Beleg und Ausführung.
Schritt 4: Rohfassung ohne Anspruch
Schreiben Sie durch, ohne zu überarbeiten. Formulierungen, die nicht sitzen, markieren und weitergehen. Wer beim Schreiben schon feilt, bleibt im zweiten Absatz stecken – das ist der häufigste Grund, warum Texte im Entwurf sterben.
Schritt 5: Kürzen, und zwar von vorn
Streichen Sie den ersten Absatz. In den meisten Rohfassungen ist er Anlauf, und der Text beginnt in Wahrheit beim zweiten. Prüfen Sie dann jeden Behauptungssatz mit dem Wettbewerbstest und jede Überschrift daraufhin, ob sie allein gelesen etwas aussagt.
Schritt 6: Einen Tag liegen lassen
Der einzige Arbeitsschritt, den man nicht abkürzen kann. Was am Abend brillant klang, liest sich am Morgen oft umständlich – und die Stellen, an denen man selbst stolpert, sind genau die, an denen der Kunde aussteigt.
Fachsprache: wie viel Jargon ist richtig
Die Standardempfehlung „Vermeiden Sie Fachbegriffe“ ist im B2B falsch. Fachbegriffe sind dort ein Zugehörigkeitssignal – wer sie meidet, wirkt wie jemand von außen. Wer sie falsch benutzt, allerdings auch.
Die brauchbare Regel unterscheidet zwei Sorten:
- Fachbegriffe der Branche Ihres Kunden – benutzen. Taktzeit, Rüstzeit, Chargenrückverfolgung, Freigabelauf. Diese Wörter zeigen, dass Sie das Geschäft kennen.
- Fachbegriffe Ihrer eigenen Branche und Ihre Hausbegriffe – erklären oder weglassen. Ihr internes Produktkürzel, Ihre Methodenbezeichnung, das Akronym aus Ihrem Vertriebshandbuch: Das kennt draußen niemand.
Ein einfacher Test dafür: Markieren Sie jeden Begriff, den Sie in einem Text verwenden, und fragen Sie, ob er auch in den Stellenanzeigen Ihres Kunden vorkommt. Wenn ja, ist er Branchensprache. Wenn nein, ist er Ihre Sprache – und muss erklärt werden.
Was in jedem Fall verschwinden darf, ist die Sorte Wort, die nichts trägt: Lösungskompetenz, ganzheitlich, zukunftsorientiert, maßgeschneidert, innovativ, Synergien, State of the Art. Diese Wörter behaupten Qualität, statt sie zu zeigen, und sie überstehen den Wettbewerbstest von oben nicht.
Länge, Aufbau und Lesbarkeit
Die Frage „Wie lang darf ein B2B-Text sein?“ ist falsch gestellt. Richtig lautet sie: Kommt der Leser an die Stelle, die ihn betrifft, ohne alles davor zu lesen?
Vier Dinge entscheiden darüber:
- Sprechende Zwischenüberschriften. „Unsere Leistungen“ sagt nichts. „Was wir übernehmen – und was bei Ihnen bleibt“ schon. Wer nur die Überschriften liest, muss den Inhalt trotzdem verstehen.
- Der wichtigste Satz zuerst. Journalisten nennen das die umgekehrte Pyramide. Im B2B ist sie Pflicht, weil kaum jemand zu Ende liest.
- Ein Gedanke pro Absatz. Drei bis fünf Zeilen, dann eine Leerzeile. Auf dem Bildschirm entscheidet die Absatzlänge über die Lesebereitschaft mehr als der Satzbau.
- Zahlen und Aufzählungen sichtbar machen. Was in einer Liste steht, wird gelesen; dasselbe im Fließtext wird überflogen.
Zur Satzlänge nur so viel: Es geht nicht um kurze Sätze, sondern um Sätze mit einem Gedanken. Ein Satz mit drei Einschüben ist auch dann schwer, wenn er kurz ist. Ein langer Satz mit klarer Reihenfolge liest sich mühelos.
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Von diesen Regeln zu unterscheiden sind die handwerklichen Stilfragen, die für jeden Text gelten – Substantivierungen, der Umgang mit Adjektiven, das überflüssige „man“, Bindewörter. Sie hängen nicht an der Zielgruppe und stehen gesammelt auf der Seite zum Texte schreiben. Was auf dieser Seite steht, kommt obendrauf: Es sind die Anforderungen, die erst dadurch entstehen, dass mehrere Menschen in einem Unternehmen über den Text entscheiden.
Gestaltung: der Text wirkt, bevor er gelesen wird
Bevor jemand ein einziges Wort liest, hat er den Text schon beurteilt – nach dem Bild, das er auf dem Schirm abgibt. Eine geschlossene graue Fläche signalisiert Anstrengung, und Anstrengung wird im Arbeitsalltag verschoben. Deshalb ist Gestaltung im B2B keine Kosmetik, sondern die Vorentscheidung darüber, ob der Text überhaupt eine Chance bekommt.
Vier Mittel, die tatsächlich etwas ändern
- Weißraum. Kurze Absätze mit Leerzeile dazwischen. Auf dem Bildschirm ist die Absatzlänge der stärkste Einzelfaktor für die Lesebereitschaft – stärker als Satzbau und Wortwahl.
- Hervorhebungen mit Bedacht. Fett markiert die Aussage, die jemand mitnimmt, wenn er nur überfliegt. Deshalb höchstens eine Hervorhebung pro Absatz. Wer fünf Stellen hervorhebt, hat keine hervorgehoben.
- Tabellen für Vergleichbares. Alles, was mehrere Größen gegenüberstellt – Varianten, Leistungsstufen, Voraussetzungen –, gehört in eine Tabelle. Im Fließtext wird es überlesen, in der Tabelle wird es geprüft.
- Bildunterschriften. Sie werden überdurchschnittlich oft gelesen und stehen in B2B-Texten fast immer leer. Eine Bildunterschrift, die eine Aussage transportiert statt das Bild zu beschreiben, ist geschenkte Aufmerksamkeit.
Web und PDF sind zwei verschiedene Texte
Ein verbreiteter Fehler: denselben Text auf die Website stellen und als PDF anbieten. Die Lesesituationen sind grundverschieden. Auf der Website wird gescannt, gesucht und weggeklickt. Ein PDF wird heruntergeladen, weitergeleitet und in einer ruhigen Minute gelesen – oft ausgedruckt, oft von jemandem, der die Website nie gesehen hat.
Daraus folgt: Das PDF braucht einen eigenen Einstieg, der ohne Kontext funktioniert, eine Seitenzahl, ein Datum und einen Ansprechpartner auf der letzten Seite. Der Webtext braucht Sprungmarken und Zwischenüberschriften, die auch beim schnellen Scrollen tragen. Wer denselben Text für beides verwendet, optimiert ihn für keines von beidem.
Die Länge der Zeile
Eine Kleinigkeit mit messbarer Wirkung: Zeilen, die über die ganze Breite eines großen Bildschirms laufen, sind schwer zu lesen, weil das Auge den Zeilenanfang verliert. Rund 60 bis 80 Zeichen sind angenehm. Wer keine Kontrolle über das Layout hat, kann wenigstens die Absätze kurz halten – das mildert den Effekt.
Der Call-to-Action im B2B ist ein anderer
Aus dem Konsummarketing stammt die Empfehlung, kräftig zum Handeln aufzufordern: „Jetzt kaufen“, „Nur noch heute“. Im B2B erzeugt derselbe Ton Misstrauen, weil niemand nach dem Lesen einer Website eine Investitionsentscheidung trifft.
Der B2B-Call-to-Action hat eine andere Aufgabe: Er soll die Hürde des nächsten Schritts so klein wie möglich machen und dabei sagen, was danach passiert. Diese zweite Hälfte ist entscheidend. Die meisten Menschen klicken nicht, weil sie nicht wissen, worauf sie sich einlassen.
Drei Formulierungen, die im B2B funktionieren:
- „Fordern Sie die Musterrechnung an – zwei Seiten, kein Anruf, keine Anmeldung.“
- „Buchen Sie zwanzig Minuten. Wir sehen uns Ihre Ausgangslage an und sagen Ihnen ehrlich, ob wir passen.“
- „Wenn Sie das intern besprechen möchten: Diese Seite gibt es als PDF zum Weiterleiten.“
Die dritte ist die meistunterschätzte. Sie erkennt an, dass Ihr Leser nicht allein entscheidet – und macht ihm die Arbeit leichter, für die er Sie ohnehin brauchen wird.
KI-geschriebene B2B-Texte: was auffällt
Ein großer Teil der Texte, die derzeit im B2B veröffentlicht werden, entsteht mit Sprachmodellen. Das ist kein Problem – die Werkzeuge sind gut. Zum Problem wird, was ohne Nacharbeit dabei herauskommt, und das lässt sich an wiederkehrenden Merkmalen erkennen:
- Wiederholung in neuen Worten. Der Text sagt zehnmal dasselbe mit anderen Formulierungen und wirkt trotzdem umfassend. Das ist das verlässlichste Merkmal.
- Symmetrie-Floskeln. „Nicht nur … sondern auch“, „Es geht nicht um X, es geht um Y“, „Klingt einfach? Ist es nicht.“
- Behauptete Konkretheit. Sätze wie „Ein konkretes Beispiel: Ein Kollege steigerte seinen Umsatz um 30 Prozent“ – ohne Branche, ohne Ausgangswert, ohne Zeitraum. Die Zahl ist erfunden, und man sieht es daran, dass sie nirgends überprüfbar wird.
- Kein Verzicht. KI-Texte benennen selten eine Grenze, einen Nachteil oder einen Fall, in dem etwas nicht funktioniert. Genau das ist im B2B aber der Teil, der Vertrauen schafft.
Der praktische Umgang damit ist keine Verbotsfrage, sondern eine Arbeitsteilung. Das Modell kann Struktur bauen, Rohfassungen schreiben und Formulierungen anbieten. Was es nicht kann, ist der Teil, auf den es im B2B ankommt: Ihre Zahlen, Ihre Referenzen, die Grenzen Ihrer Leistung und die Sätze, die Ihr Kunde im Gespräch tatsächlich gesagt hat. Wer den Rohtext nicht mit eigenem Material auflädt, veröffentlicht etwas, das jeder Wettbewerber genauso hätte erzeugen können.
Ein Nebeneffekt betrifft die Sichtbarkeit: Suchmaschinen und KI-Assistenten zitieren bevorzugt Quellen, die etwas enthalten, das anderswo nicht steht. Ein austauschbarer Text wird nicht deshalb übergangen, weil er von einer Maschine stammt, sondern weil er nichts Eigenes beiträgt.
Damit der Text auch gefunden wird
Ein B2B-Text kann noch so gut sein – wenn ihn niemand findet, wirkt er nur bei denen, die ohnehin schon da sind. Hier geht es nicht um Content-Strategie, sondern um das, was auf der Ebene des einzelnen Textes zu tun ist. Die strategische Seite behandelt die Seite zum Content Marketing im B2B.
Schreiben Sie den Begriff, den Ihr Kunde eingibt
Der häufigste Fehler ist die Hausbezeichnung. Wenn Ihr Markt von „Rüstzeitoptimierung“ spricht und Sie von „Effizienzsteigerung im Werkzeugwechsel“, werden Sie nicht gefunden – Ihr Text ist inhaltlich richtig und sprachlich unsichtbar.
Die Prüfung dafür kostet zehn Minuten: Fragen Sie zwei Kunden, mit welchen Worten sie suchen würden, wenn sie Ihr Angebot nicht kennen. Deren Formulierung gehört in die Überschrift, nicht Ihre.
Eine Frage, eine Seite
Seiten, die drei Themen halb behandeln, werden für keines gefunden. Im B2B ist die Versuchung groß, alles auf die Leistungsseite zu packen. Besser ist eine Seite je Frage, die ein Kunde tatsächlich stellt – und untereinander verlinkt.
Das gilt auch umgekehrt: Zwei Seiten zum selben Thema behindern sich gegenseitig, weil Suchmaschinen nur eine davon zeigen können. Wenn Sie zwei Texte haben, die sich überschneiden, lautet die Frage nicht, welchen Sie ausbauen, sondern ob sie überhaupt zwei verschiedene Themen behandeln.
Die ersten Sätze entscheiden über Zitierfähigkeit
KI-Assistenten beantworten heute einen wachsenden Teil der Fragen direkt und nennen dabei Quellen. Zitiert wird, was sich sauber herauslösen lässt: eine klare Definition in ein bis zwei Sätzen, eine benannte Zahl mit Bezug, eine nummerierte Abfolge.
Praktisch heißt das: Setzen Sie unter jede Überschrift zuerst die kurze, vollständige Antwort – und danach die Begründung. Die Reihenfolge „erst hinführen, dann auflösen“ funktioniert im Vortrag. Im geschriebenen B2B-Text kostet sie Sichtbarkeit.
Was Sie sich sparen können
Keyword-Dichte, Synonymstreuung und das Unterbringen von Wortvarianten in jedem zweiten Absatz. Diese Techniken stammen aus einer Zeit, in der Suchmaschinen Wörter gezählt haben. Heute schaden sie eher, weil sie den Text schwerer lesbar machen – und Lesbarkeit ist inzwischen selbst ein Rankingfaktor. Ein Begriff gehört in die Überschrift und kommt danach so oft vor, wie es natürlich ist.
Die Prüfliste vor dem Veröffentlichen
Neun Fragen, die sich in zehn Minuten beantworten lassen. Wer mehr als zwei davon mit Nein beantwortet, hat noch Arbeit vor sich.
- Steht die wichtigste Aussage im ersten Absatz?
- Übersteht jeder Behauptungssatz den Test „Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern …“?
- Gibt es mindestens eine überprüfbare Zahl – mit Annahme und Zeitraum daneben?
- Kommt mindestens ein Satz vor, den Ihr Kunde selbst so gesagt hat?
- Steht im Text, was Sie nicht leisten?
- Findet jeder der vier Leser seinen Abschnitt – Anwender, Fachprüfer, Wirtschaftlicher, Risikoträger?
- Verstehen die Zwischenüberschriften allein gelesen den Inhalt?
- Sagt der Call-to-Action, was nach dem Klick passiert?
- Ist ein Abschnitt so geschrieben, dass Ihr Ansprechpartner ihn intern weiterleiten kann, ohne ihn zu erklären?
Die letzte Frage ist die wichtigste, und sie taucht in keinem Texter-Ratgeber auf. Im B2B gewinnt nicht der Text, der am besten überzeugt. Es gewinnt der Text, der es Ihrem Fürsprecher leicht macht, Sie intern zu vertreten, wenn Sie nicht im Raum sind.
KI-generiertes Bild
Häufige Fragen zu B2B-Texten
Was sind B2B-Texte?
B2B-Texte sind Texte, die sich an Unternehmen als Kunden richten – Website- und Landingpage-Texte, Produkt- und Angebotstexte, E-Mails, Fachbeiträge und Unterlagen für den Vertrieb. Ihr Unterschied zu Konsumtexten liegt weniger im Stil als in der Leserschaft: Es lesen mehrere Personen mit unterschiedlichen Fragen, die Entscheidung dauert länger und muss intern begründet werden.
Wie schreibt man gute B2B-Texte?
Indem man jede Behauptung bis zum Beleg durchzieht: Merkmal, Nutzen, Beleg. Indem man für alle vier Leserrollen je einen Abschnitt vorsieht. Und indem man mindestens eine Grenze der eigenen Leistung offen benennt – das erhöht die Glaubwürdigkeit stärker als jede Steigerungsform.
Wie lang sollte ein B2B-Text sein?
So lang, dass jede Leserrolle ihre Frage beantwortet findet – und so gegliedert, dass niemand alles lesen muss. Die Länge ist im B2B selten das Problem, die fehlende Gliederung dagegen fast immer.
Darf man in B2B-Texten Fachbegriffe verwenden?
Die Fachbegriffe der Kundenbranche ja, sie sind ein Zugehörigkeitssignal. Die eigenen Hausbegriffe und Produktkürzel dagegen nicht – die kennt außerhalb Ihres Unternehmens niemand. Prüfmethode: Kommt der Begriff in den Stellenanzeigen Ihres Kunden vor?
Was unterscheidet einen Produkttext im B2B von einem im Onlinehandel?
Im Onlinehandel entscheidet eine Person sofort. Im B2B lesen ein Techniker und ein Kaufmann denselben Text. Deshalb gehört der Produkttext geteilt: oben der Einsatzzweck in Alltagssprache, darunter die vollständigen technischen Angaben ohne Werbesprache – plus der Hinweis, wofür das Produkt nicht gedacht ist.
Wie sieht ein guter Call-to-Action im B2B aus?
Er verlangt einen kleinen nächsten Schritt und sagt, was danach passiert: „Zwei Seiten, kein Anruf, keine Anmeldung.“ Aufforderungen im Stil von „Jetzt kaufen“ erzeugen im B2B Misstrauen, weil niemand nach dem Lesen einer Seite eine Investition freigibt.
Kann man B2B-Texte von einer KI schreiben lassen?
Für Struktur und Rohfassung ja. Was das Modell nicht liefern kann, ist genau das, was im B2B trägt: Ihre Zahlen, Ihre Referenzen, die Grenzen Ihrer Leistung und die Formulierungen Ihrer Kunden. Ein Rohtext ohne dieses eigene Material ist austauschbar – und wird deshalb weder gelesen noch zitiert.
Wie schreibt man Produkttexte für erklärungsbedürftige Produkte?
Geteilt statt gemischt: oben ein Absatz in Alltagssprache zum Einsatzzweck, darunter die vollständigen technischen Angaben ohne Werbesprache. Dazu gehört der Hinweis, wofür das Produkt nicht ausgelegt ist – das spart Rückfragen und verhindert Fehlkäufe. Wer Produkttexte schreiben lernen will, übt am besten an einem bestehenden Text: Streichen Sie jedes wertende Adjektiv und prüfen Sie, was an Information übrig bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen Business-Texten und Werbetexten?
Business-Texte müssen einer fachlichen Prüfung standhalten und intern weitergegeben werden können; Werbetexte müssen auffallen. Deshalb funktioniert im B2B Genauigkeit besser als Zuspitzung – ein überprüfbarer Wert überzeugt dort, wo ein Superlativ Misstrauen erzeugt.
Woran erkenne ich, dass mein Text zu allgemein ist?
Am Wettbewerbstest: Setzen Sie „Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern“ vor einen beliebigen Satz. Ergibt er dann keinen Sinn mehr, könnte jeder andere dasselbe behaupten – und der Satz kann weg.
Zum Mitnehmen
Gute B2B-Texte entstehen nicht durch bessere Formulierungen, sondern durch mehr eigenes Material: Zahlen, die man nachrechnen kann, Sätze, die ein Kunde tatsächlich gesagt hat, und Grenzen, die man freiwillig nennt.
Wenn Sie eine einzige Gewohnheit ändern wollen, dann diese: Schreiben Sie in jeden Text einen Absatz, den Ihr Ansprechpartner ohne Sie weiterleiten kann. Er ist der Grund, warum Sie in der internen Runde vorkommen, bei der Sie nicht dabei sind – und die entscheidet.






