Das Herz klopft, die Knie schlottern und die Kehle ist wie zugeschnürt: Jeder von uns kennt das Gefühl, Angst zu haben. Sei es das Krisengespräch mit einem wichtigen Kunden oder der zu erwartende Anpfiff beim Chef – es ist nicht einfach, in kritischen Momenten gelassen bleiben. Je größer die Angst, desto größer der Stress und desto geringer auch die Chance, schadlos aus der Situation hervorzugehen. Denn Stress vernebelt nicht nur den Verstand, sondern er überträgt sich auch auf unser Gegenüber. Keine guten Vorzeichen für ein wichtiges Gespräch, oder?

Die große Frage, die sich deshalb stellt: Wie kann es uns gelingen, möglichst stressfrei durch den Berufsalltag zu gehen? Wie bekommen wir unsere negativen Emotionen in den Griff?

Ein wesentlicher Tipp, den Sie sicher schon einmal gehört haben: Versuchen Sie, sich den bestmöglichen Ausgang der Situation vor Augen zu führen. Wenn Ihnen vor einem wichtigen Vortrag die Knie zittern, stellen Sie sich vor, wie Ihr größter Kritiker im Anschluss auf Sie zukommt, Ihnen anerkennend auf die Schulter klopft und sagt: „Das haben Sie ganz hervorragend gemacht.“ Je öfter Sie sich dieses Bild ausmalen, desto mehr wird es sich in Ihrem Kopf verankern, und die Angst verliert nach und nach ihren Schrecken. Auch wenn es simpel klingt: Bemühen Sie sich, das positive Resultat vorwegzunehmen. Dann bleibt Ihnen nämlich gar nichts anderes mehr übrig, als locker zu werden und einen deutlich besseren Job zu machen als es Ihnen Ihre Ängste je erlauben würden. Tatsächlich haben verschiedene Studien haben ganz klar bewiesen, dass die menschliche Vorstellungskraft einen massiven Einfluss darauf hat, ob wir ein Ziel erreichen oder nicht. Kein Spitzensportler dieser Welt wird je eine Medaille holen, wenn er sich nicht vorstellen kann, wie es sich anfühlen wird, am Ende glücklich die Ziellinie zu passieren. Und wenn er sich vor dem Wettbewerb nur mit dem Gedanken beschäftigt, wie herzlos das Publikum ihn auslachen wird, braucht er eigentlich schon gar nicht mehr anzutreten.

Was lernen wir daraus? Geben Sie Ihren Ängsten nicht die Macht über Ihre Zukunft, sondern nehmen Sie Ihr Schicksal bei klarem Verstand selbst in die Hand.

Stressfrei verkaufen

Schritt eins ist, dass Sie sich nicht (!) darauf fokussieren, Ihre Sorgen zu bekämpfen. Das wäre nämlich in etwa so, als würden Sie sich krampfhaft verbieten wollen, an einen rosa Elefanten zu denken. Das funktioniert nicht. Stattdessen macht es viel mehr Sinn, das Positive in den negativen Gedanken zu suchen. Sie fürchten sich vor der wichtigen Präsentation beim Kunden? Ist doch super, denn das bedeutet, dass es Ihnen wichtig ist, gute Arbeit zu leisten und dass Sie engagiert bei der Sache sind. Seien Sie stolz auf sich!

Vielleicht wollen Sie die positiven Gedanken, die auf diese Art und Weise entstehen, auch noch etwas nachhaltiger verankern? Dann versuchen Sie es doch mit einer Methode, die sich als äußerst effektiv erwiesen hat. Das nächste Mal, wenn Sie damit beschäftigt sind, einer beängstigenden Situation im Vorfeld ihren Schrecken zu nehmen, piksen Sie sich doch einmal mit dem Fingernagel in die Hand. Und zwar genau in dem Moment, in dem Sie sich mit Ihren Gedanken wohlfühlen. Wenn Sie das regelmäßig machen, wird Ihr Gehirn irgendwann darauf reagieren und es Ihnen ermöglichen, schon alleine mit diesem kleinen Impuls eine gelassene Grundstimmung aufzubauen. Das glauben Sie nicht? Dann denken Sie doch bitte mal an dieses eine Lied, das Sie in Ihrem schönsten Sommerurlaub immer gehört haben. Ist es nicht so, dass Sie noch heute, wenn Sie bei Regen im Auto durch die Stadt fahren, in Urlaubsstimmung kommen, wenn der Song im Radio läuft? Ihr Gehirn hat völlig ohne Ihr Zutun eine positive Verknüpfung hergestellt – und diese Fähigkeit können Sie ganz bewusst zu Ihrem Vorteil nutzen.

Ja, werden Sie vielleicht denken, das ist aber doch alles viel leichter gesagt als getan. Stimmt, und deshalb habe ich jetzt noch ein paar Tipps für Sie, wie Sie in der konkreten Situation souveräner wirken können, als Sie sich vielleicht fühlen. Nehmen wir einmal den schlimmsten Fall an und gehen davon aus, dass Ihr Stresspegel so hoch ist, dass Sie das Gefühl haben, keine Luft mehr zu bekommen. Häufig ist in diesen Fällen so, dass Sie eine völlig natürliche Sache vergessen haben: das Ausatmen. Dass dann nicht mehr viel Platz zum Einatmen bleibt, ist völlig klar. Und wo wir schon bei der Körperlichkeit sind, denken Sie bitte auch daran, auf Ihr Haltung zu achten. In dem Moment, in dem Sie ganz bewusst mit Ihren Fußsohlen den Boden berühren, geben Sie Spannung ab und gewinnen dafür im wahrsten Sinne des Wortes einen Standpunkt. Körpersprachlich senden Sie mit dieser kleinen Bewegung das Signal: Ich bin stabil und nicht so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ihr Gegenüber wird diese Veränderung in Ihrem Auftreten zumindest unterbewusst wahrnehmen. So viel ist sicher.

Wie wertvoll dieses Wissen ist, zeigt sich übrigens daran, dass mittlerweile mehrfach nachgewiesen ist, dass sich Stimmungen übertragen. Ein gelassener Redner kann seine Sicherheit weitergeben, ein nervöser Redner wird bei seinen Zuhörern höchstwahrscheinlich für Unruhe sorgen. Tatsächlich hat eine Studie sogar belegt, dass sich die Pulsfrequenzen von Sprechern und ihren Zuhörern annähern. Ist das nicht spannend?

Wenn Sie also nicht wollen, dass Ihr Publikum von Ihrer Nervosität angesteckt werden, sollten Sie folgende fünf Punkte beachten – und zwar genau in dieser Reihenfolge: Zuerst kommt logischerweise das Aufstehen, dann warten Sie einen Moment ab, dann blicken Sie Ihren Zuhörern tief in die Augen und im nächsten Schritt atmen Sie noch einmal ganz bewusst aus. Erst danach ist die Zeit gekommen, um mit Ihrem Vortrag anzufangen. Und vergessen Sie nicht: Souveräne Menschen sind Herr oder Herrin über ihre Zeit. Das heißt, sie lassen sich nicht hetzen und halten auch Momente der Stille aus.

Sie befürchten, dass Ihnen das in der ein oder anderen Situation trotz aller Vorbereitung nicht gelingen wird? Dann packen Sie doch einfach den Stier bei den Hörnern und kommunizieren Ihren Gefühlszustand. Erklären Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie nervös sind und sich Sorgen machen. Der große Vorteil: In dem Maß, in dem Sie Ihre Angst benennen, nehmen Sie ihr auch die Macht. Und dass Sie dadurch deutlich an Authentizität gewinnen – was in jedem Fall sinnvoller ist als dem anderen etwas vorzuspielen – versteht sich von selbst.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie Sie stressfrei verkaufen können, dann empfehle ich Ihnen meinen aktuellen Sales-up-Call. Eine Stunde lang habe ich mich mit dem Sprecher, Sänger, Stimmtrainer und Lehrbeauftragten Frederik Beyer darüber unterhalten, wie kritische Gesprächssituationen mit einfachen Mitteln deutlich angenehmer werden. Nutzen Sie diese Möglichkeit, um entspannter durch den Berufsalltag zu gehen.

Haben Sie vielleicht ein Geheimrezept gegen negativen Stress? Dann freue ich mich über Ihren Kommentar!