Ich mochte Sixt. Wer findet nicht die Werbung der Autovermietung aus Pullach ausgefallen und pfiffig. Die lustigen Wortspiele, ungewöhnlichen Werbeformen und fast schon Kunstwerke der plastischen Werbung kennt jeder, der ab und zu an einem deutschen Flughafen unterwegs ist. Das ist nicht billig, aber es wirkt. Zumindest auf mich.

Sixt

Die Platinum-Card beweist es: Ich war immer ein großer Fan von Sixt.

Deshalb habe ich mich immer für Sixt entschieden. Europcar ist irgendwie zu vernünftig und die anderen Anbieter haben gar kein Profil. Also Sixt. Ich habe sogar eine Platinum-Card. Das weist mich als besonderen Sixt-Fan aus, der ich ja auch war. Was hat unsere Liebe also gestört?

Bevor ich diese Frage beantworte, stelle ich eine Frage an meine Leser: Was wird es wohl kosten, einen Kunden in einem umkämpften Markt zu gewinnen? 30 Euro, 50 Euro oder gar mehr als 100 Euro? Diese Frage wird uns wohl nur ein Marketingverantwortlicher bei Sixt beantworten können. Mal sehen, ob das gelingt. Aber zurück zu meinem Liebeskummer mit Sixt.

Im März habe ich mit meinem Team eine Messe besucht. Das machen wir nicht so häufig und die Menge an Material passte nicht in meinen Wagen. Also zu Sixt und einen BMW Touring gemietet, der den Messestand samt Tresen und anderem Gerät aufnimmt. Die Fahrt von Trier nach München führt auch durch das Gebiet der Regierungspräsidentin in Karlsruhe.

Wer öfter diese Strecke fährt weiss, dass in dieser Region offenbar Geld dringend nötig ist, weil Baustellen ewig lange stehen, ohne dass sichtbar gearbeitet wird. Bestimmt geht dann öfter das Geld aus und man muss neue Radarfallen aufstellen. Dazu muss die Höchstgeschwindigkeit häufig wechselnd und ohne einen erkennbaren Grund zwischen 80, 100 und 120 kmh variiert werden. Dann stellt man an den richtigen Stellen eine Geschwindigkeitskontrolle auf und das spärliche Budget der Regierungspräsidentin wird ein wenig aufgebessert. Das hat Tradition seit den frühen Zeiten der Raubritter und ist also in Ordnung.

Auf jener Fahrt begab es sich, dass ich in einer Linkskurve beim Wechseln von der A5 auf die A8 einen hellen roten Blitz wahrnahm. Der Blick auf meinen Tacho zeigte mir dass ich 112 kmh hatte und die Anzeige der Maximalgeschwindigkeit im selben Display sagte mir 120 kmh, so dass ich mich entspannte und davon ausging, dass es einen der anderen Fahrer um mich herum betraf.

Ein paar Wochen später stellte sich heraus, dass die Regierungspräsidentin von Karlsruhe davon ausging, dass nur 100kmh erlaubt waren, was auch ein in dem Schreiben (aber hier nicht) namentlich genannter Polizist als Zeuge bestätigen würde. Weil die gemessene Geschwindigkeit nur 109kmh gewesen sei, durfte ich immerhin 15 Euro dazu beitragen, die knappe Kasse in Karlsruhe aufzubessern. Wenn sich in Zukunft die Baustellensituation rund um Karlsruhe verbessert, kann ich erhobenen Hauptes als einer der Sponsoren die linke Spur benutzen. Ich freue mich schon.

Und jetzt kommt Sixt ins Spiel: Weil es sich ja um einen Mietwagen handelte, kannte die Regierungspräsidentin meine Adresse nicht. Die musste ihr erst Sixt verraten. Bestimmt zwingt man Sixt zu diesem Verrat, weshalb ich es verzeihen kann, dass meine ehemalige Lieblingsautovermietung meine Adresse preis gab. Aber Sixt wollte wohl meine Liebe noch härter beanspruchen und legte noch einen drauf. Vielleicht hat ja auch ein ganz besonders cleverer Mitarbeiter festgestellt, dass ich Platinum Kunde bin und man die Kundenbeziehung auch mal belasten kann.

Sixt

Ein Ausschnitt des Briefes von Sixt: Eine wahre Anleitung zur Kundenunzufriedenheit!

Es erreichte mich ein Schreiben, das offenbar nicht von den gleichen Marketingexperten verfasst wurde, wie die geniale Werbung, und das mich darauf hinweist, dass ich 18,50 Euro nicht etwa bezahlen muss, sondern bereits von meiner Kreditkarte bezahlt habe. Und zwar  inklusive MwSt.

Liebes Sixt, wenn das tatsächlich 18,50 Euro kostet, würde ich Dir gerne einen meiner Kollegen empfehlen, um dringend nötige Prozessoptimierungen durchzuführen. Es gibt nämlich inzwischen Computer, die so eine Tätigkeit innerhalb weniger Sekunden hinbekommen.

Liebes Sixt, wenn Du schon 18,50 Euro für so einen Quatsch haben willst, dann schicke mir wenigstens einen Hochglanzprospekt wie den, in dem Du mir meine jetzt untätig gewordene Sixt Platinum Card zugesendet hast. So eine Marketingbotschaft mit lächelnden Menschen, damit ich den Ärger besser herunterschlucken kann.

Liebes Sixt, ich liebe Dich nicht mehr

Am Ende einer Liebe passiert es ja oft, dass einem die Augen aufgehen und man feststellt: Das Leben geht weiter und andere Autovermietungen haben auch schöne Flitzer. Ich jedenfalls werde mich noch nicht mal mehr für Dich entscheiden, wenn Du die Billigste bist. Emotionen treiben Kaufentscheidungen – das habe ich jetzt am eigenen Leib erlebt.

© pathdoc

Ein einziger Brief kann einen langjährigen, treuen Kunden für immer vertreiben.

Für mich ist dadurch die Liste der dümmsten Marketing-Fehler einen Eintrag länger geworden. Und diese Geschichte kommt ganz sicher unter die Top-10. Angeführt wird die Liste allerdings noch immer von den Marketing-Strategen von „Jaques Wein Depot“, die mir seit Jahren Briefe schicken, die ich ungeöffnet wegwerfe, weil ich schon am Umschlag den Absender erkenne. Mal sehen, ob irgendwann mal jemand auf die geniale Idee kommt, Brief-Werbung nicht schon aussen am Umschlag als Werbung zu kennzeichnen, so dass der Empfänger wenigstens die Post öffnet, aber das ist vielleicht mal einen eigenen Artikel Wert.

Wo sind die Beispiele in Ihrer Organisation, wo ein Teil des Unternehmens das mit dem Hintern wieder umwirft, was vorher mühsam aufgebaut wurde? Welche angeblich notwendigen Verwaltungsmaßnahmen schicken Ihre Kunden völlig unnötig in einen Wutanfall? Wo erzeugen Sie versehentlich genau die falschen Emotionen bei Ihren Kunden?

Ich freue ich auf Ihre Erlebnisse und Ihre Anregungen. Und vielleicht arbeiten Sie ja bei Sixt und können uns das Mysterium erklären.

Wie die Story weiterging, können Sie hier lesen.